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Heidenheimer Zeitung, 22.07.2020

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18 WIRTSCHAFT Mittwoch,

18 WIRTSCHAFT Mittwoch, 22. Juli 2020 Verlust in dreistelliger Millionenhöhe Continental Dem Autozulieferer und Reifenhersteller macht der Produktionsstopp der Autoindustrie zu schaffen. Hannover. Der Produktionsstopp der Autobauer in der Pandemie hat Continental schwer getroffen. Der Autozulieferer und Reifenhersteller musste im zweiten Quartal deutliche Verluste hinnehmen. Auf einen Ausblick auf das restliche Jahr wird verzichtet. An der Börse sorgten die Zahlen dennoch für etwas Erleichterung, weil mit noch Schlimmerem gerechnet worden war. Im operativen Geschäft fuhr der Dax-Konzern einen hohen Verlust ein, der Umsatz sackte kräftig ab, teilte Conti mit. Die operative Marge lag bei minus 9,6 Prozent vom Umsatz. Das heißt: Je 100 Euro Umsatz machte Conti rund 9,60 Euro Verlust. Damit dürfte Continental einen operativen Verlust im oberen dreistelligen Millionenbereich eingefahren haben. Ein Jahr zuvor hatte Conti noch 868 Millionen Euro verdient. Der Umsatz schrumpfte auf 6,62 Milliarden Euro zusammen. Bereinigt um Zu- und Verkäufe sowie Wechselkurseffekte betrug der Rückgang damit nach Konzernangaben 39,8 Prozent. Nicht nur mit Autozulieferteilen hängt Conti von der Autoproduktion ab, sondern auch im Reifengeschäft für neue Autos. Am stärksten waren die Umsatzeinbrüche im Geschäft mit unter anderem Elektronik, Sensorik und Bremssystemen, aber auch in der Antriebssparte. dpa Kommentar Strafe für Bayer gesenkt Glyphosat Krebsopfer in den USA bekommt weniger Schadenersatz. San Francisco. Ein Berufungsgericht in den USA hat die Strafe für den Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer in einem Verfahren um angebliche Krebsrisiken des Unkrautvernichters Glyphosat deutlich gesenkt. Der Schuldspruch selbst hat weiter Bestand. Das könnte eine Signalwirkung für andere Kläger in dem Milliardendrama haben. Bayer begrüßte die Entscheidung als „Schritt in die richtige Richtung“, betonte aber, dass es sich bei dem Unkrautvernichter um ein sicheres Produkt handele und kündigte an, Rechtsmittel zu prüfen.. Bayer muss statt 289 Millionen Dollar nur noch 20,5 Millionen Dollar (17,9 Mio Euro) an das Krebs-Opfer Dewayne Johnson zahlen. Der Kläger, bei dem 2014 Lymphdrüsenkrebs diagnostiziert wurde, hatte den Unkrautvernichter Roundup des 2018 von Bayer übernommenen US-Saatgutherstellers Monsanto für sein Leiden verantwortlich gemacht. dpa Ein Drittel mehr Fleischersatz auf dem Teller Sojaburger, Sojabratlinge oder Tofu – Fleischersatzprodukte und „vegetarische oder vegane Lebensmittel, die dem äußeren Anschein nach Wurst ähneln“, sind ein Wachstumsmarkt. Der Absatz ist im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 37 Prozent auf gut 20 000 Tonnen gestiegen, teilte das Statistische Bundesamt mit. Es führte die Steigerung auch auf Skandale im Fleischgeschäft zurück. Der Wert der Fleischer satz- Produktion stieg demnach um 36 Prozent auf gut 85,1 Millionen Euro. Im gesamten Jahr 2019 waren damit knapp 273 Millionen Euro Umsatz gemacht worden. Zum Vergleich: Mit Fleisch und Wurst wurden 2019 gut 40,1 Milliarden Euro Umsatz gemacht. Foto: Robert Günther/dpa Tipps gegen die Finanzklemme Finanzierung Während der Corona-Krise kann der laufende Kredit für Haus oder Wohnung zur Belastung werden. Finanzexperten zeigen Lösungsmöglichkeiten auf. Von Julia Kling Kurzarbeit oder die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes – für Immobilienbesitzer, deren eigene vier Wände noch nicht abbezahlt sind, kann es infolge der Corona-Krise zu finanziellen Engpässen kommen. Zwar ist die Zahl der bundesweit von Kurzarbeit betroffenen Beschäftigten im Juni nach dem Höchststand im März auf knapp 343 000 gesunken. Um sich den Traum vom Eigenheim erfüllen zu können, reizen allerdings viele Verbraucher ihre finanziellen Möglichkeiten bis zum Äußersten aus. Der geringere Verdienst durch Kurzarbeit reicht dann aus, um in eine Finanzklemme zu kommen. Nach einer Umfrage im Auftrag der ING-Bank sind bisher 14 Prozent der Befragten bei der Miete oder den Raten für ihre Baufinanzierung infolge der Corona-Krise in Verzug geraten. „Für diejenigen, die Probleme bekommen, gibt es keine einheitliche Lösung“, sagt Niels Nauhauser. Der Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg geht davon aus, dass die Problematik im Laufe des Jahres an Dynamik gewinnt. Im Rahmen der Corona-Hilfen konnten Verbraucher die Tilgung ihrer laufenden Finanzierung zwischen April und Juni um drei Monate aufschieben. Diese Regelung lief jetzt aus. „Das Moratorium der Bundesregierung hat Zeit verschafft“, sagt Nauhauser. Jetzt müssten die Betroffenen selbst Lösungen finden. Überblick verschaffen Der Finanzexperte rät Betroffenen dazu, sich frühzeitig ein Bild von der finanziellen Situation zu machen – inklusive Wertpapierdepots und Verträgen zur Altersvorsorge. „Hier gilt es abzuwägen: Welcher Vertrag ist für mich gerade am ungünstigsten.“ Vielleicht lasse sich auch mithilfe eines Zweitjobs ein kurzfristiger Engpass überbrücken. Anstelle des Dispokredits sei ein Rahmenkredit ratsam. „Manchmal geht es nicht anders, aber das Überziehen des Dispos ist sehr teuer.“ Der Rahmenkredit müsse allerdings abgeschlossen werden, bevor Schulden gemacht werden. Seit Jahren deutlich rückläufig Tilgung aussetzen oder reduzieren Da in Kreditverträgen nur selten die Möglichkeit zur Reduzierung der Tilgungsrate festgeschrieben ist, muss der Betroffenen zunächst das Gespräch mit dem Kreditgeber suchen, erläutert Horst Biallo vom gleichnamigen Vergleichsportal. „Ist die Bank zu keiner Stundung der gesamten Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Horst Biallo Onlinevergleichsportal Biallo Entwicklung der Zinsen für Baugeld in den vergangenen 10 Jahren bei einer Vertragslaufzeit von 20 Jahren (in Prozent) 4,76 4,39 3,42 2,86 2,51 2,14 2,14 2,07 1,48 1,19 ’11 ’12 ’13 ’14 ’15 ’16 ’17 ’18 ’19 ’20 GRAFIK BOCK / QUELLE: BIALLO.DE Rate bereit, so sollten die Verbraucher zumindest darauf drängen, dass die Tilgung für ein paar Monate ausgesetzt wird.“ Nauhauser macht jedoch keine allzu großen Hoffnungen auf ein Entgegenkommen der Bank. „Im Regelfall ist der Spielraum sehr begrenzt.“ Auch gelte es zu bedenken, dass auch bei einer Aussetzung der Tilgung die Zinsen weiter zu begleichen sind. „Zudem heißt aufgeschoben auch nicht abgehoben“, betont Horst Biallo. „Was aktuell nicht getilgt wird, muss später gezahlt werden.“ Umschulden Wer eine mehr als zehnjährige Zinsbindung vereinbart hat, kann laut Bundesgesetzbuch (Paragraph 489) das Darlehen zehn Jahre nach Vollauszahlung mit einer Kündigungsfrist von sechs Monaten ganz oder teilweise kündigen. „Das kann eine interessante Option sein“, sagt Nauhauser mit Blick auf das anhaltend niedrige Zinsniveau. „Für den Abschluss eines neuen Kredits mit besseren Konditionen kann es aber sein, dass man dann einen Einkommensnachweis mit Kurzarbeitergeld vorlegen muss.“ Verkauf Wenn nichts von alledem klappt, kann auch der Verkauf der eigenen Immobilie in Betracht gezogen werden. Dabei werde aber eine Vorfälligkeitsentschädigung gegenüber der Bank über die entgangenen Zinsen fällig, die bis zu zehn Prozent der offenen Restschuld betragen kann. „Solche Entscheidungen mit erheblichen Folgen sollten die Eigentümer nicht überstürzen.“ Nauhauser gibt darüber hinaus zu bedenken, dass vermeintlich kulante Angebote der Geldinstitute nicht immer zum Vorteil des Kunden sein müssen. Häufig gebe es versteckte Kosten. „Deswegen ist dabei immer Skepsis angebracht.“ Kommentar Thomas Veitinger zum Verlust von Continental Abgekühlte Begeisterung Das Unternehmen befand sich schon vor Corona in einer Umstrukturierung. Bis zu 20 000 Arbeitsplätze sind davon betroffen. Die Zahlen sind schlecht. Nein, hier ist nicht von Daimler die Rede, sondern von Continental. Der Autozulieferer hängt durch Produktionsstop und Nachfrageeinbruch schwer in den Seilen – wie viele Unternehmen aus der Autobranche. Doch im Gegensatz zu Daimler kann Conti nicht auf margenträchtige Luxusprodukte setzen. Im Gegenteil: Der Preisdruck auf Autozulieferer wird größer. Contis Hauptproblem ist, mit der zurückgehenden Autoproduktion klarzukommen. Das Unternehmen ist zwar weltweit die Nummer 2 unter den Zulieferern, bei der Profitabilität taucht es unter den ersten 10 gar nicht auf. Dazu kommt, dass sich in dem Wachstumsfeld Autonomes Fahren die Begeisterung abkühlt. Es scheint wohl nicht so einfach zu sein, vollautomatisierte Autos zu bauen. Zwar kam Conti beim wichtigen Geschäft mit Reifen glimpflich davon und konnte in dieser Sparte sogar einen kleinen operativen Gewinn einfahren. Auch das Liquiditätspolster ist dick. Aber die Zukunft des Konzerns ist maßgeblich von sauberen Fahrzeugantrieben abhängig. Sollten die Verbrenner beliebt bleiben, muss sich Chef Elmar Degenhart an seinen Spruch erinnern: „Ein Gewinner ist, wer gut spielt, wenn es nicht gut läuft.“ China macht es schwer Investitionen Firmen aus dem Ausland stehen vor hohen Hürden. München. Deutsche Unternehmen stoßen bei Investitionen in China immer noch auf sehr viel höhere Hürden und Hindernisse als chinesiche Firmen in Europa. Das zeigt eine Studie des Basler-Prognos-Instituts im Auftrag der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft. Vergleichbare Spielregeln gebe es nicht, schreiben die Autoren. Beispiele seien Investitionsverbote für bestimmte Branchen, Beteiligungsobergrenzen, der Zwang zu Gemeinschaftsunternehmen oder auferlegte Technologietransfers. In der Studie werden drei rechtliche Faktoren dafür genannt: die „Negativliste“ für ausländische Direktinvestitionen, das Gesetz für ausländische Investitionen und die Vorschriften des „Social Credit System“ (SCS), das Bürger und Unternehmen bei Verstößen gegen eine Fülle von Verhaltensregeln mit Sanktionen und Strafen bedroht. dpa ZAHL DES TAGES 3,2 Millionen Fernsehgeräte sind während der Corona-Krise in Deutschland gekauft worden. Das waren im ersten Halbjahr 5 Prozent mehr Geräte als ein Jahr zuvor, teilte die Branchenvereinigung gfu mit. Entscheidend für den Boom sei der Abverkauf nach dem Ende des Lockdowns gewesen. Im Mai sei der Absatz im Mai um 37 Prozent und im Juni um 21 Prozent hochgeschnellt. dpa Banken 2,23 Milliarden für Krisenfonds Frankfurt/Main. Deutschlands Banken müssen als Vorsorge für mögliche Krisen für das laufende Jahr zusammen rund 2,23 Milliarden Euro Bankenabgabe aufbringen. Das hat die Bafin mitgeteilt. Voriges Jahr waren es 2 Milliarden Euro. Das Geld fließt in den gemeinsamen europäischen Krisenfonds SRF (Single Resolution Fund). Er ist ein Puffer gegen Schieflagen von Banken und soll bis Ende 2023 mit 55 Milliarden Euro gefüllt sein. Derzeit enthält er 42 Milliarden Euro. dpa Boom mit E-Zigaretten vorbei Hersteller und Händler von E-Zigaretten gehen für dieses Jahr von 450 Millionen Euro Umsatz aus, 50 Millionen weniger als 2019. Das liege unter anderem an der coronabedingten Zwangspause der Fachgeschäfte. Foto: Lisa Ducret/dpa MARKTBERICHT Heizöl Frei Verbr. Tank Großr. Stuttg. inkl. MwSt.; Preisangaben sind Durchschnittspreise; Preisentwicklung zur Vorwoche: gleichbleibend. 1000-1500 l 55,90 4501-5500 l 48,22 1501-2000 l 53,02 5501-6500 l 48,11 2001-2500 l 51,29 6501-7500 l 47,71 2501-3500 l 49,77 7501-8500 l 47,53 3501-4500 l 48,96 Holzpellets Durchschnittspreis in €/Tonne, Liefermenge 6 t, inkl. MwSt: 222,65 €. Schlachtvieh Baden-Württ. 29. Woche 13.7.-19.7.2020: S 61,9 v.H. 148-237 (155), E 57,9 v.H. 146-262 (154), U 53,3 v.H. 130- 320 (147), S-P 59,2 v.H. (153), M 72-153 (86). Meldebasis: 1. FIGDV zum Fleischgesetz, inkl. Tieren aus Bio- und Qualitätsfleischprogrammen, Rampe Schlachtstätte, in €/100 kg Schlachtgewicht, ohne Mwst. Gebietsnotierung Großvieh Preise: Bullen A 180-190 (186,3), B 165-175; Kühe A 135-145 (141,1), B 115-130, C 95-110, D 80-90; Färsen A 160-170 (165,3), B 150-160, C 115-145. Gebietsnotierung Schweine a 127-136, c1 126-136 (134,1), c2 121-125 (123,8), c3 109-120 (115,6), c insges. (133,1). Eiernotierung vom 21. Juli 2020: Großhandelspreise Güteklasse A €/100 Stck. Freiland (1), Boden (2), Kleinvoliere (3). XL: (1) 32,25 €, (2) 30,00 €. L: (1) 27,75 €, (2) 24,00 €. M: (1) 25,50 €, (2) 21,75 €. S: (1) 21,25 €, (2) 17,50 €. Tendenz: schwächer.

19 WIRTSCHAFT Mittwoch, 22. Juli 2020 Computer auf vier Rädern Bosch Der Zulieferer führt seine Autoelektronik und -software zusammen. Hersteller pumpen Milliarden in die Entwicklung von Programmen. Künftig sollen nicht nur Fahrzeuge Geld bringen, sondern auch Updates. Vom Multimedia-System über die Motorsteuerung bis hin zum automatisierten Fahren: Der weltgrößte Zulieferer Bosch führt sämtliche Bereiche, die mit Fahrzeugelektronik und -software zu tun haben, unter einem Dach zusammen. Zu dem neuen Geschäftsbereich mit dem Namen „Cross-Domain Computing Solutions“ gehören ab Anfang des kommenden Jahres rund 17 000 Mitarbeiter in mehr als 20 Ländern weltweit, wie Bosch am Dienstag mitteilte. Alles einzeln in voneinander getrennten Bereichen zu entwickeln, komme angesichts der stetig wachsenden Bedeutung der Elektronik und der Software bei der Fahrzeugentwicklung an Grenzen, hieß es. Die neue Struktur soll nun dabei helfen, die Komplexität der Systeme zu reduzieren – etwa indem kleine Hochleistungsrechner die Aufgaben bündeln, für die sonst etliche einzelne, unabhängig voneinander entwickelte und betriebene Steuergeräte nötig wären. Zudem sollen neue Entwicklungen Kernaufgabe ist es, Komplexität beherrschbar und so sicher wie möglich zu machen. Harald Kröger Bosch-Geschäftsführer Karlsruhe. VW schuldet im Dieselskandal getäuschten Autokäufern grundsätzlich Schadenersatz, Vielfahrer gehen aber wahrscheinlich leer aus. Das hat sich in einer Verhandlung des Bundesgerichtshofs (BGH) in Karlsruhe abgezeichnet. Wer so viele Kilometer zurückgelegt hat, dass die geschätzte Laufleistung des Autos überschritten ist, hat seine Ansprüche gegen Volkswagen nach Einschätzung der Richter vollständig aufgezehrt. Wann das Urteil verkündet wird, ist noch unbekannt. Ein wichtiger Streitpunkt ist außerdem, ob VW bei Schadenersatzzahlungen auf den zu erstattenden Kaufpreis des Autos noch Zinsen zahlen muss. Dabei gehe es wegen der großen Zahl der Verfahren um sehr viel Geld, Mitarbeiter montieren einen VW Tiguan. Etwa 100 Millionen Zeilen Software-Code stecken heute in Autos. schneller auf die Straße gebracht werden können. „Kernaufgabe von Cross-Domain Computing Solutions wird es sein, die Komplexität der Elektroniksysteme beherrschbar und darüber hinaus so sicher wie möglich zu machen“, sagte Bosch-Geschäftsführer Harald Kröger, der den neuen Geschäftsbereich verantworten wird. Der Technologiekonzern hatte vor einigen Monaten bereits die komplette Fertigung der Fahrzeugelektronik zusammengelegt. Dort arbeiten weltweit rund 24 000 Menschen. In seiner neuen Einheit will das Unternehmen die Entwicklung von Fahrzeugcomputern, Steuergeräten und Sensoren bündeln. Bosch geht davon aus, dass der Markt für sogenannte softwareintensive Elektroniksysteme bis 2030 jährlich um 15 Prozent wachsen wird. Softwareintensiv nennt man Systeme, deren Funktionen ganz wesentlich von der Software abhängen. Etwa 100 Millionen Zeilen Software-Code steckten in heutigen Autos, hieß es. Um sie automatisiert fahren zu lassen, Wenig Hoffnung auf Schadenersatz Dieselskandal Bundesgerichtshof spricht Vielfahrern das Recht auf Ansprüche gegen VW ab. sagte der BGH-Anwalt des Wolfsburger Autobauers, Reiner Hall. Auch diese Frage scheinen die Richter zugunsten von VW entscheiden zu wollen. Die großen Linien aber sind mit dem ersten Karlsruher Dieselurteil vom 25. Mai vorgegeben. Danach war der Einsatz illegaler Abgastechnik in Millionen Dieselfahrzeugen sittenwidrig. Den Käufern sei dadurch ein Schaden entstanden. Autobesitzer, die noch mit VW vor Gericht streiten, können deshalb ihren Wagen zurückgeben und das Geld dafür einfordern. Mit einer Einschränkung: Auf den Kaufpreis müssen sie sich die zurückgelegten Kilometer anrechnen lassen. Dieser Nutzungsersatz spielt auch im neuen Fall eine zentrale seien 300 bis 500 Millionen Zeilen nötig. Alleine eine Million Zeilen Code entsprechen rund 18 000 gedruckten Textseiten. In Fahrzeugen stecken mehr als 100 Steuergeräte. Angesichts der stetig wachsenden Bedeutung der Softwareentwicklung haben inzwischen auch Unternehmen aus dem klassischen IT-Bereich die Autobranche für sich entdeckt und machen den traditionellen Zulieferern Konkurrenz. Daimler etwa hatte erst vor rund einem Monat eine umfassende Zusammenarbeit mit dem US-Konzern Nvidia angekündigt, der einst mit Grafikkarten bekannt geworden war. Rolle. Der Kläger hatte seinen VW Passat 2014 mit 57 000 Kilometern auf dem Tacho gekauft. Inzwischen ist das Auto rund 255 000 Kilometer gefahren. Das Oberlandesgericht (OLG) Braunschweig hatte angenommen, dass ein durchschnittlicher Passat 250 000 Kilometer schafft. Der Mann habe das Auto sozusagen zu Ende genutzt, etwaige Ansprüche gegen den Volkswagen-Konzern hätten sich damit erledigt. Daran gebe es nichts zu beanstanden, sagte der Vorsitzende BGH-Richter Stephan Seiters nach ersten Beratungen des Senats. Der finanzielle Schaden sei durch die Nutzung vollständig ausgeglichen. Der Mann fordert den vollen Kaufpreis zurück, plus Zinsen seit 2014. Seiters äußerte sich deshalb Zukunft soll nicht Google & Co gehören Markus Duesmann wird im VW-Konzern auch die Software-Einheit leiten. „In wenigen Jahren werden das Betriebssystem eines Autos und seine Vernetzung mit einer hochsicheren Daten-Cloud den entscheidenden Unterschied ausmachen“, sagte der Audi-Chef. VW will ein eigenes Betriebssystem für alle seine Konzernmodelle, eine Datencloud zur Vernetzung und eine Elektronikarchitektur aufbauen. Diess soll dafür sorgen, dass das Zukunftsfeld nicht Konzernen wie Google, Apple, Amazon und Tesla gehört. Der Sturm um VW legt sich etwas. Foto: Hendrik Schmidt/dpa Foto: Ole Spata/dpa Nachdem VW bekannt gegeben hat, Milliarden Euro in die Softwarentwicklung zu pumpen, zog Daimler nach. Die Stuttgarter wollen mit einem eigenen Betriebssystem eine Art Windows fürs Auto bauen. Kunden soll nicht alle paar Jahre ein Auto verkauft werden. Chef Ola Källenius plant, Geld mit Software-Updates zu verdienen. Gegen Zahlungen kann es so verbesserte Assistenzsysteme oder zusätzliche Reichweite für E-Autos geben. Vorbild dürfte Tesla sein. Der US-Elektroautobauer versorgt seine Fahrzeuge bereits länger mit solchen Updates, die durchaus 2000 Dollar kosten können. (dpa/vt) auch zur Ver zinsung – und machte Dieselklägern wenig Hoffnung: Die Richter sehen darin tendenziell eine „nicht gerechtfertigte Überkompensation“. Es sei zu vermuten, dass der Kläger das Geld sonst in ein anderes Auto gesteckt hätte. Weg wäre es also so oder so. (Az. VI ZR 354/19) Noch 60 000 offene Fälle Grundsätzlich helfen die Urteile aus Karlsruhe nur noch denjenigen Diesel-Besitzern, die VW verklagt haben und deren Verfahren noch läuft. Das sind ungefähr 60 000 Fälle. Rund 50 000 davon sind laut VW ähnlich gelagert wie der im Mai entschiedene Fall. Diese Prozesse will der Konzern nicht weiterführen und den Klägern Einmalzahlungen anbieten. dpa Konkurrenz für die Privatjustiz Recht Landesregierung baut in Stuttgart und Mannheim ein Gericht für Wirtschaftsstreitigkeiten auf. Stuttgart. Die Landesregierung richtet ein auf Wirtschaftsverfahren spezialisiertes Gericht ein. Das grün-schwarze Kabinett beschloss am Dienstag entsprechende Pläne von Justizminister Guido Wolf (CDU). Standorte des neuen, bundesweit einzigartigen „Commercial Court“, der internationale Zivilrechtsfälle verhandeln soll, werden Stuttgart und Mannheim. Der „Court“ soll im Herbst die Arbeit aufnehmen. Ziel der Maßnahme, die vorerst als Modellprojekt aufgesetzt wird, ist es, den Justizstandort Baden-Württemberg zu stärken und rechtsprägende Einflüsse privater Schiedsgerichte zu mindern. „Große Wirtschaftsstreitigkeiten sind in der Vergangenheit zunehmend seltener vor deutschen Zivilgerichten gelandet. Es ist unser Ziel, dieses Feld wieder zurückzuerobern“, sagte Wolf. In wirtschaftsrechtlichen Zivilverfahren können Unternehmen wählen, vor welchem Gericht sie prozessieren oder auch private Schiedsgerichte anrufen. Die locken oft mit schnelleren Verfahren als an staatlichen Gerichten. Hier soll der neue Standort konkurrenzfähig sein, auch durch besondere Prozessführung, etwa auf Englisch und mithilfe von Videokonferenzen. Das Land hofft zudem, Fälle von Europas bedeutendstem „Commercial Court“ in London auffangen zu können, der infolge des Brexit an Bedeutung verlieren dürfte. Axel Habermehl Spitzenplatz in Europa Forschung Der Südwesten gibt im Jahr 34 Millarden Euro für FuE aus. Stuttgart. Baden-Württemberg hat von allen 90 europäischen Forschungsregionen 2017 am meisten in Forschung und Entwicklung investiert: rund 34 Milliarden Euro. Das ist mehr als in Italien, Kanada, Schweden, Israel und Österreich in FuE investiert wurde, teilt das Statistische Landesamt mit. Baden-Württemberg leiste mit seinen gut ausgebauten Forschungs- und Entwicklungskapazitäten mehr als ein Viertel der gesamtdeutschen Investitionen in dem Bereich. Die FuE-Intensität, bei der die Höhe der Investitionen ins Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt gesetzt werden, lag im Südwesten bei 5,6. Zum Vergleich: Für ganz Deutschland betrug die FuE-Intensität 3,1, im forschungsfreudigen Südkorea lag sie bei 4,3. Das hohe Maß an Investitionen ist wichtig, um international Wettbewerbsvorteile zu erlangen, heißt es seitens des Statistischen Landesamts. dpa Flughäfen Plädoyer für längere Kurzarbeit Düsseldorf. Wegen der anhaltenden Flaute fordern die Abfertigungsfirmen an Flughäfen eine Verlängerung der Kurzarbeit. „Eine kurzfristige Erholung ist nicht absehbar“, sagte der Vorsitzende des Arbeitgeberverbands der Bodenabfertigungsdienstleister im Luftverkehr (ABL), Thomas Richter. Der Verband fordert daher, Kurzarbeit müsse auf 24 Monate verlängert werden können. Coronabedingt ist in einigen Fällen eine Ausweitung von 12 auf 21 Monate möglich. dpa Apple setzt auf zero CO 2 Im Jahr 2030 soll jedes Apple-Gerät ohne eine CO 2 -Belastung hergestellt werden. Bisher betreibt Apple nur seine eigenen Produktionsstätten und Verwaltung mit erneuerbaren Energien. Foto: Quan‘yajun/SIPA Asia via Zuma Wire/dpa Arbeitslose Oftmals gelingt stabiler Einstieg Nürnberg. Wenn Langzeitarbeitslose den Wiedereinstieg schaffen, dann bleiben sie auch relativ stabil in Beschäftigung. Das ergab eine Studie des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. 58 Prozent seien binnen zweieinhalb Jahren nach ihrem Wiedereintritt imehr als zwei Jahre beschäftigt gewesen. Die erste neu aufgenommene Tätigkeit nach einer Arbeitslosigkeit von mindestens einem Jahr dauerte in der Hälfte der Fälle aber nicht einmal ein Jahr. dpa Pharmaindustrie Exportschub durch Corona Wiesbaden. Die Corona-Pandemie hat den deutschen Pharmaunternehmen starke Exportzuwächse beschert. Zu Beginn der Krise im März stiegen die Ausfuhren der Branche gegenüber März 2019 um 27,8 Prozent auf einen Rekord von 8,2 Milliarden Euro, teilte das Statistische Bundesamt mit. Von März bis Mai wuchsen die Exporte wertmäßig um 14,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 22,1 Milliarden Euro. Deutschlands Exporte insgesamt brachen um 22,6 Prozent ein. afp Konsumlust lässt nach Die Corona-Krise bremst weiter die Kauflust in Deutschland. Jeder fünfte Bundesbürger gebe beim Shoppen bewusst weniger Geld aus als normalerweise, berichtete das Marktforschungsunternehmen Nordlight Research. Schlappe für BEV Der Insolvenzverwalter des Energieanbieters BEV hat vor dem Oberlandesgericht München eine Schlappe im Streit um Neukundenboni erlitten. Demnach müssen Neukundenboni auch ausgezahlt werden, wenn die vorgesehene Vertragsdauer von mindestens einem Jahr durch die Insolvenz nicht erreicht wurde.

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